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Blick in die Zukunft: Der ACO tagte vor
wenigen Wochen mit den Konstrukteuren, um über das Reglement für
die Saison 2014 zu diskutieren. Thematisiert wurden unter anderem die
Verbesserung der Energieeffizienz, das Zeitenniveau in Le Mans und
Kostensparmaßnahmen in der LMP2.
Obwohl die endgültige Fassung des
Regelwerks für die nächste Saison immer noch nicht zu
Papier gebracht wurde, diskutieren Veranstalter und Konstrukteure
hinter den Kulissen bereits anderweitig über Zukunftsideen.
Vor wenigen Wochen tagte der ACO mit Herstellern, Teams und
Reifenlieferanten, um Meinungen über die Prototypen-Regularien
für das Jahr 2014 auszutauschen. Unsere Kollegen von „Mulsanne's
Corner“ sperrten die Ohren auf und veröffentlichten einige
Eckdaten.
Neben den üblichen Verdächtigen
wie Peugeot und Audi überraschten unter anderem Porsche, Toyota
und die Formel-1-Mannschaft von Renault mit ihrer Präsenz. Im
Fokus der Diskussionen standen Themen zur Verbesserung der
Energieeffizienz, das Zeitenniveau in Le Mans und Kostensparmaßnahmen
in der LMP2-Kategorie. Im Großen und Ganzen ist das langfristig
deklarierte Ziel, Rennen zu fahren, ohne die Umwelt essenziell zu
belasten.
Ein Konsens herrschte demgemäß
bei der Debatte bezüglich Energierückgewinnungssysteme,
welche der ACO fördert und deshalb die Art und Anzahl der
Benutzung freistellt. Als Beispiel nennen die Regelmacher die
bekannte Variante, die überschüssige Bremsenergie zur
Rückgewinnung zu verwenden. Der dabei gewonnene oder
gespeicherte Energiebetrag ist nicht limitiert – allerdings darf
der Vorderradantrieb ausschließlich durch diese gewonnen
Energie angekurbelt werden. Sicherheitsvorschriften würden bei
jedem neuen Konzept entsprechend definiert werden.
Teilnehmer der Sitzung
| Delegation |
Hersteller/Konstrukteur |
| Julian Sole |
Lola |
| Jean
Felix Bazelin |
Dunlop |
| Martin
Mühlmeier und Axel Löffler |
Audi |
| Norbert
Santos und Guillem Roux |
Norma |
| Alwin Springer |
Porsche |
| Adam
Carter |
Wirth Research |
| Christophe Chapelain |
Nismo |
| David
Floury |
Oreca |
| Mike Blanchet |
Formula Le Mans |
| Stan
Hall |
Judd |
| Roger Griffiths |
Honda Performance Development |
| Aoki
Norio |
Toyota |
| Mark Ellis |
AER |
| George
Howard Chappell und Jason Hill |
Aston Martin |
| Bruno Famin |
Peugeot |
| Tim
Holloway und Ian Lovette |
Zytek |
| Renault F1 Team |
Renault F1 Team |
| François
Sicard |
Oak Racing |
| Serge Grisin |
Michelin |
| Pescarolo
Sport |
Pescarolo Sport |
| Scot E. Elkins |
American Le Mans Series |
Kontrolle der maximalen Leistung
Zustimmung fanden auch die
Bestimmungen hinsichtlich des Fahrzeuggewichtes und der Motorentypen.
Abgesehen von Turbinen, Reaktoren und Stirling-Kreisprozessen zeigt
sich der ACO gegenüber sämtlichen Antriebskonzepten offen.
Um der Problematik des Kräfteverhältnis weitgehend
vorzubeugen, sieht das Reglement wiederum lediglich ein
Mindestgewicht von 775 Kilogramm vor dem Einbau eines
Energierückgewinnungssystems vor. Dies gilt als Anreiz die
Entwicklungen an den schweren Hybridzellen voranzutreiben, denn mit
einem konservativen Benzinmotor lässt sich dieses Minimalgewicht
beispielsweise wesentlich einfacher erreichen.
Im Gegenzug darf – wenn es nach den
Konstrukteuren geht – die Kraftübertragung bei
Verbrennungsmotoren nicht über einen Vorderradantrieb erfolgen.
Der Vorschlag des ACO war zunächst, bloß einen
Hinterradantrieb vorzuschreiben. Ein Entschluss steht bisweilen aus.
Als komplizierteres Thema entpuppte
sich dagegen die Motorleistung. Demnach möchte sich der ACO
sowohl in der LMP1 als auch der LMP2 einen Überblick über
die maximale Antriebskraft verschaffen, indem eine obligatorische Box
in den Motoren verpflanzt wird, welche die Leistung in den
Einspritzdüsen kontrolliert. Da sich die Entwicklung eines
solchen Gerätes jedoch als ausgesprochen schwierig erweise, war
der Alternativvorschlag der Hersteller, dies über die
Kraftstoffmenge zu regulieren.
Ebenso möchte der ACO die Energie
des Kraftstoffes selbst begrenzen, da nicht jeder Treibstoff (Benzin,
Diesel, Strom usw.) dieselbe Kraft hat. Abhängig von der Kraft,
die ein Treibstoff erzeugen kann, schreibt das Reglement demnach vor,
wie viel mit dem jeweiligen Antriebsmittel verbraucht werden darf. Damit
knüpfen die Regelmacher an die Gruppe-C-Ära an, als die
Treibstoffmenge schon einmal limitiert wurde.
Mehr Stabilität im LMP2-Reglement
Von dieser Zwickmühle bleiben die
LMP2-Akteure hingegen verschont. Bei den kleinen Prototypen stellt
der Veranstalter nämlich einen einheitlichen Treibstoff zur
Verfügung. Im Allgemeinen werden Maßnahmen, um die Kosten
zu deckeln, anstelle der Umwelt groß geschrieben. Folglich
verbieten die Regeln Systeme zur Energierückgewinnung,
stattdessen treibt die Wagen ein Serienmotor an, wofür der ACO
bekanntlich nächstes Jahr die Weichen stellt.
Stabilität im Regelwerk ist
mitunter einer der größten Wünsche seitens der
Protagonisten, was die Organisatoren im Sinne der Kostensenkung zur
Kenntnis genommen haben. In diesem Zuge solle auch das Leistungsniveau
gesenkt werden, um erheblich an Ausgaben zu sparen. Darüber hinaus
solle die Kraftübertragung ausschließlich über einen
Hinterradantrieb und maximal einem Sechsgang-Getriebe erfolgen. Zu
keiner Einigung kam es hinsichtlich des Mindestgewichtes. Dem ACO
schwebten 850 Kilogramm vor, die Gegenseite plädierte dagegen
für 900 Kilogramm.
Eine klare Linie gibt der Automobilklub
des Westens dagegen zum Thema geschlossene und offene Fahrzeuge vor.
Zunächst werde die Entscheidung den Konstrukteuren überlassen,
auf kurz oder lang forciert der ACO jedoch eine geschlossene LMP1-
und eine offene LMP2-Division, denn die Regelmacher behalten sich
Änderungen in diesem Belangen vor. Aus Sicherheitsbedenken
können die Cockpittemperaturen im Übrigen mithilfe einer
Klimaanlage reduziert werden.
Langsamere Rundenzeiten in Le Mans
Die Sicherheit ist außerdem ein
weiterer Punkt, der dem ACO am Herzen liegt. Aufgrund zahlreicher
Horrorunfälle in jüngster Vergangenheit sieht sich der
Traditionsveranstalter gezwungen, einen Einschnitt vorzunehmen.
Deshalb peilt der französische Organisator in der Topklasse ein
Zeitenniveau von 3:30 Minuten auf dem Circuit de la Sarthe an.
Zwei einfache Mittel, um dieses Ziel zu
erreichen, sind die Leistungsreduktion und Modifikationen an der
Aerodynamik. Als weiteres Instrument kommen die Reifen ins Spiel,
deren Lebensdauer verlängert werden soll, was die
Konstrukteure befürworten. In diesem Zusammenhang betonten
die Reifenhersteller, dass sie aus jenem Grund dringend diverse
Angaben von den Teams brauchen, um sie mit ihren Forschungswerten
abzugleichen.
Des Weiteren kündigten die
Reifenhersteller die Entwicklung eines Chips an, welcher in die
Gummis integriert werde, um die Ingenieure über die
Reifenabnutzung zu informieren. Diese Prozedur ginge am Boxenausgang
von statten.
Als letzter Punkt stand ein Testlimit
auf der Tagesordnung. Der ACO möchte demzufolge die Mannschaften
dazu bewegen, die gesamte Saison in der Le Mans Series oder American
Le Mans Series zu bestreiten, anstatt lediglich einzelne Gastauftritte zu
absolvieren. Um diesen Trend zu unterbinden, intendiert der
Veranstalter die Anzahl der Testfahrten zu limitieren. Da sich dies
jedoch schwierig bewerkstelligen lässt, müssten die
Reifenhersteller involviert werden.
Ein Ansatz ist nämlich die Anzahl der Pneus zu begrenzen, weshalb die Reifenlieferanten
den ACO entsprechend informieren müssten. Die Regelmacher
erwarten weitere Vorschläge beim nächsten Treffen im
Oktober.
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